Vermögen erhalten mit Value Investing

Die Value Investing (wertorientiertes Anlegen) Philosophie unterscheidet sich in einigen wichtigen Aspekten von anderen Anlagestilen. Der Ausgangspunkt ist, dass der Marktpreis einer Aktie häufig vom zugrundeliegenden Unternehmenswert abweicht. Dieser zugrundeliegende Wert wird auch intrinsischer Wert genannt, der diskontierte Wert der zukünftigen ausgeschütteten Kassenströme des Unternehmens.

Anhand der Unternehmensbilanzen kann man den intrinsischen Wert näherungsweise bestimmen. Ein Betrieb wird als überbewertet angesehen, wenn der Börsenkurs über dem intrinsischen Wert liegt. Wenn der Börsenkurs unter dem intrinsischen Wert liegt, spricht man von Unterbewertung.

Wertorientiertes Anlegen ist ein konträrer Anlagestil, der sich auf das Identifizieren von Unternehmen richtet, die unter ihrem intrinsischen Wert an der Börse gehandelt werden. Man könnte auch sagen, dass diese Unternehmensaktien mit einem „Abschlag“ gehandelt werden, dies wird häufig die Margin of Safety (Sicherheitsmarge) genannt. Ein zutreffender Begriff, da durch die Unterbewertung des Unternehmens das Risiko weiterer Kursverluste begrenzt ist. Eine Einschränkung dieses Abwärtsrisikos ist ein wesentlicher Ausgangspunkt für wertorientiertes Anlegen, da das wichtigste Anlageziel der Kapitalerhalt ist.

Unterbewertete Unternehmen werden häufig als langweilig und unpopulär angesehen. Dies sind stabile Unternehmen mit erprobten Geschäftsmodellen, die einen stetigen Cash-Flow generieren, sehr geringes Fremdkapital haben und zu niedrigen Kurs-/Buchwerten und Kurs-Gewinn-Verhältnissen gehandelt werden. Dem gegenüber stehen Wachstumspapiere; dies sind sehr populäre Aktien, die einen hohen Erwartungswert besitzen, der auf zukünftigen Trends statt aktueller Gewinnsituation beruht.

Wie dieser Artikel weiter zeigen wird, leistet wertorientiertes Anlegen langfristig wesentlich mehr Ertrag als andere Anlagestile.

Benjamin Graham

Benjamin Graham ist der Vater des wertorientierten Anlageansatzes, den er in den 30er und 40er Jahren des vorigen Jahrhunderts einführte. Seine Bücher Security Analysis (1934) und The Intelligent Investor (1949) werden nach wie vor als zeitlose Klassiker angesehen, mit Lektionen, die noch stets angewandt werden.

Mr. Market

Graham lehrte, dass Mr. Market (eine Allegorie für den Aktienmarkt) im Allgemeinen für glaubwürdige Börsenkurse sorgt, dass jedoch die Marktpreise oft lachhaft sind. Der Anleger kann den aktuellen Börsenkurs ablehnen oder ihm zustimmen und eine Transaktion vornehmen, oder Mr. Market komplett ignorieren. Der Anleger sollte sich nicht von der nervösen Art des Marktes bei der Bewertung seiner Aktien beeinflussen lassen, sondern seine eigene Due Diligence vornehmen. Er kann dann von den aufgeblähten Marktpreisen profitieren, indem er seine Aktien über ihrem berechneten Wert verkauft. Die Lektion besteht darin, dass Anleger die wahren Leistungen der Unternehmen, in die sie investieren, beurteilen müssen und sich nicht von den häufig irrationalen Kursen, wie sie sich an der Börse darstellen, treiben lassen.

 

Warren Buffett

Grahams Schüler Warren Buffett machte den wertorientierten Anlagestil mit seinem Investitionsvehikel Berkshire Hathaway, mit dem er über den ganzen Zeitraum ab 1965 ein jährliches Rendement von über 20% erzielte, populär. Zusammen mit seinem Partner Charlie Munger wird Buffett als einer der erfolgreichsten Anleger aller Zeiten angesehen.

Buffett und Munger haben das wertorientierte Anlegen weiterentwickelt, indem sie weitere Anforderungen an die Unternehmen stellen, bevor sie sich für eine Investition entscheiden. So haben sie z.B. die Qualität des Managements als wichtige Eigenschaft hinzugefügt. Darüber hinaus wurde der ökonomische Moat eines Unternehmens als wesentliche Kenngröße identifiziert. Der ökonomische Moat gibt an, dass ein Unternehmen einen bedeutsamen Wettbewerbsvorteil gegenüber den Mitbewerbern besitzt. Der ökonomische Moat kann ein Markenname sein, eine signifikante Zugangsbarriere zu einem Markt, eine preisbeherrschende Position oder ein (semi-) monopolistischer Marktanteil.

 

Buffett gegen den S&P 500

Man braucht nur einmal die Erträge von Berkshire Hathaway mit dem amerikanischen Marktindex S&P 500 zu vergleichen, um zu verstehen, wie erfolgreich der Ansatz des wertorientierten Anlegens von Buffett ist. Verwenden wir einen Marktpreisindex, dann erscheint die Rendite des S&P 500 beinahe als eine Gerade:

Selbst wenn wir einen logarithmischen Maßstab anwenden, ist die Rendite ein Unterschied wie Tag und Nacht. Von 1964 bis 2016 hat Berkshire Hathaway einen Gesamtertrag von 1.972.595% erzielt, verglichen mit „lediglich“ 12.717% Rendite des S&P 500 Index (incl. wieder angelegte Dividende). Der durchschnittliche Jahresgewinn von Berkshire Hathaway beträgt 20,8%, im Vergleich zu einer Rendite von 9,7% des S&P 500 in derselben Periode.

Value premium

Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass der wertorientierte Anlageansatz strukturell bessere Erträge liefert als andere Anlagestrategien. Die Wissenschaftler haben diese strukturelle Outperformance „value premium“ (Wertprämie) genannt. Zwei der führenden Forscher auf dem Gebiet der Value Premium sind Eugene Fama und Kenneth French. Sie haben zahlreiche wissenschaftliche Artikel publiziert, die konsistent beweisen, dass wertorientierte Aktien eine strukturell bessere Rendite erzielen, und das in verschiedenen Perioden und in verschiedenen Ländern und Kontinenten.

Anhand ihrer Untersuchungen wurden einige Graphiken erstellt, die zeigen, dass wertorientierte Aktien strukturell bessere Erträge erzielen als Wachstumsaktien. Quelle der folgenden zwei Graphiken ist die Website von Kenneth French.

Die erste Graphik zeigt, dass wertorientierte Aktien signifikant bessere Leistungen erbringen als Wachstumsaktien nach einer Periode mäßiger Erträge. Seit 2010 brachten Wachstumsaktien bessere Erträge als wertorientierte Aktien. Das kann ohne weiteres ein Indikator dafür sein, dass wir am Vorabend eines Umschwungs hin zu wertorientierten Aktien stehen, was ein signifikantes Aufschwungspotential bedeuten kann, wenn wir die Erträge der Vergangenheit als Referenz verwenden können.

Die zweite Graphik zeigt, dass wir momentan aus der längsten Periode kommen, in der Wachstumsaktien eine bessere Rendite auswiesen als wertorientierte Aktien. Seit 1945 erbrachten Wachstumsaktien ein besseres Ergebnis als wertorientierte Aktien, gefolgt von einer signifikanten Erholung und einer kräftigen Outperformance wertorientierter Aktien.

Copyright © 2018 Vimco Luxembourg S.A. All rights reserved      |      Disclaimer      |      Powered by Manieu.nl